Ein Interessent hat Ihre Website gefunden, Ihre Leistung verstanden und möchte Kontakt aufnehmen. Dann öffnet er das Formular – und soll plötzlich Firma, Vorname, Nachname, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Straße, Postleitzahl, Budget, gewünschte Leistung und eine ausführliche Nachricht eingeben. Spätestens jetzt sollte die Frage nicht lauten, welche Informationen technisch abgefragt werden können, sondern welche Informationen Ihr Unternehmen für den nächsten sinnvollen Schritt tatsächlich benötigt.
1. Was soll das Kontaktformular eigentlich leisten?
Bevor Felder entfernt oder ergänzt werden, sollte klar sein, welche Aufgabe das Formular erfüllt.
Ein allgemeines Kontaktformular hat eine andere Aufgabe als eine konkrete Angebotsanfrage.
Typische Situationen sind beispielsweise:
- allgemeine Kontaktaufnahme
- Rückrufwunsch
- Angebotsanfrage
- Projektanfrage
- Serviceanfrage
- Terminwunsch
- Bewerbung
Wer versucht, sämtliche Situationen in einem einzigen Formular abzubilden, erhält schnell eine lange Liste von Feldern.
Deshalb sollte zuerst feststehen:
Welche Entscheidung muss unser Unternehmen unmittelbar nach dieser Anfrage treffen?
Wenn lediglich geklärt werden muss, wer antwortet und worum es ungefähr geht, werden weniger Informationen benötigt als für die Vorbereitung eines konkreten Angebots.
2. Welche Felder sind wirklich notwendig?
Für jedes Pflichtfeld sollte es einen nachvollziehbaren betrieblichen Grund geben.
Gehen Sie Ihr vorhandenes Formular Feld für Feld durch und stellen Sie drei Fragen:
- Warum benötigen wir diese Information bereits vor dem ersten Kontakt?
- Was machen wir unmittelbar nach Eingang der Anfrage damit?
- Könnten wir diese Information bei Bedarf später erfragen?
Kann niemand erklären, wofür eine Angabe benötigt wird, sollte geprüft werden, ob sie überhaupt Bestandteil des Formulars sein muss.
| Feld | Prüffrage |
|---|---|
| Name | Brauchen wir ihn für die persönliche Bearbeitung der Anfrage? |
| Unternehmen | Ist die Firma für die Zuordnung oder Qualifizierung tatsächlich relevant? |
| Wird über diesen Weg auf die Anfrage geantwortet oder eine Bestätigung gesendet? | |
| Telefon | Ist ein Rückruf für diesen Anfrageweg vorgesehen? |
| Leistung | Hilft die Auswahl dabei, die Anfrage an die richtige Stelle zu leiten? |
| Budget | Ist diese Information bereits vor dem ersten Gespräch entscheidungsrelevant? |
| Nachricht | Welche Informationen benötigt das Team, um den nächsten Schritt vorzubereiten? |
Die Tabelle ist keine allgemeingültige Vorgabe. Ein Feld kann für ein Unternehmen notwendig und für ein anderes überflüssig sein.
3. Sollte die Telefonnummer ein Pflichtfeld sein?
Das hängt davon ab, was nach dem Absenden passieren soll.
Wenn das Angebot ausdrücklich auf einen Rückruf ausgerichtet ist, ist eine Telefonnummer logisch.
Bei einer allgemeinen schriftlichen Kontaktanfrage kann die Situation anders aussehen.
Prüfen Sie:
- Rufen wir tatsächlich jede passende Anfrage an?
- Erwartet der Nutzer an dieser Stelle einen Rückruf?
- Kann die Anfrage sinnvoll per E-Mail beantwortet werden?
- Könnte Telefon optional angeboten werden?
Problematisch ist ein Pflichtfeld besonders dann, wenn das Unternehmen die Information anschließend gar nicht verwendet.
Ein Formular sollte nicht mehr Verbindlichkeit vom Interessenten verlangen, als der nächste Prozessschritt tatsächlich benötigt.
4. Sollte das Budget bereits im Formular abgefragt werden?
Auch hier gibt es keine universelle Antwort.
Bei standardisierten Projekten oder Leistungen mit klaren Mindestgrößen kann eine Budgetinformation bei der Qualifizierung helfen.
Bei erklärungsbedürftigen Leistungen weiß ein Interessent möglicherweise noch gar nicht, welches Budget realistisch ist.
Dann kann ein verpflichtendes Budgetfeld den Prozess an einer Stelle vorwegnehmen, an der zunächst Bedarf und Umfang verstanden werden müssten.
Vier Fragen vor einer Budgetabfrage
- Kann der Interessent zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine sinnvolle Zahl nennen?
- Ändert seine Antwort tatsächlich unsere nächste Handlung?
- Gibt es einen sachlichen Mindestumfang, der vorab geklärt werden muss?
- Wäre eine Auswahl von Projektgrößen verständlicher als ein freies Zahlenfeld?
Wenn eine Budgetfrage nur aus Gewohnheit im Formular steht, aber niemand sie für die Bearbeitung nutzt, ist sie keine Qualifizierung.
Dann ist sie lediglich ein zusätzliches Feld.
5. Wie sollte das Nachrichtenfeld gestaltet sein?
Ein Feld mit der Beschriftung „Nachricht“ lässt den Nutzer weitgehend allein mit der Frage, welche Informationen hilfreich wären.
Bei komplexeren Anfragen kann eine kurze Orientierung sinnvoll sein.
Zum Beispiel kann das Formular darauf hinweisen, dass Angaben zu gewünschter Leistung, Ausgangssituation oder gewünschtem Zeitraum hilfreich sind.
Dabei sollte nicht verlangt werden, bereits beim ersten Kontakt ein vollständiges Lastenheft zu schreiben.
Das Ziel ist:
genug Kontext für einen sinnvollen nächsten Schritt – nicht möglichst viele Informationen vor dem ersten Gespräch.
6. Welche Rolle spielt Datenminimierung?
Weniger unnötige Felder sind nicht nur eine Frage der Nutzerfreundlichkeit.
Artikel 5 DSGVO enthält den Grundsatz der Datenminimierung. Personenbezogene Daten sollen dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Maß beschränkt sein.
Für ein Kontaktformular bedeutet das nicht automatisch, dass nur zwei Felder erlaubt wären.
Es bedeutet vielmehr, dass Unternehmen erklären können sollten, warum die erhobenen personenbezogenen Daten für den jeweiligen Zweck benötigt werden.
7. Ist das Formular verständlich und zugänglich bedienbar?
Ein Formular kann kurz sein und trotzdem unnötig schwer zu bedienen.
Die Web Accessibility Initiative des W3C empfiehlt unter anderem, Formularelemente mit verständlichen Beschriftungen zu versehen und erforderliche Eingaben beziehungsweise besondere Eingabeformate klar zu erklären.
Prüfen Sie insbesondere:
- Hat jedes Eingabefeld eine verständliche sichtbare Beschriftung?
- Ist eindeutig erkennbar, welche Angaben erforderlich und welche optional sind?
- Werden besondere Formate erklärt, bevor der Nutzer daran scheitert?
- Lässt sich das Formular mit Tastatur bedienen?
- Ist der Fokus sichtbar?
- Sind Feld und zugehörige Beschriftung technisch korrekt verbunden?
- Ist die Bedienung auf einem Smartphone problemlos möglich?
Bei häufig verwendeten personenbezogenen Eingaben kann außerdem eine technisch korrekte Kennzeichnung des Eingabezwecks Browser und unterstützende Technologien dabei unterstützen, die Felder besser zu verstehen beziehungsweise automatisch auszufüllen.
8. Was passiert, wenn der Nutzer einen Fehler macht?
Ein Formular sollte nicht lediglich melden: „Es ist ein Fehler aufgetreten.“
Der Nutzer muss erkennen können, welches Feld betroffen ist und was korrigiert werden muss.
Typische Probleme sind:
- Pflichtfeld wird nur farblich markiert
- Fehlermeldung erklärt die Ursache nicht
- eingegebene Informationen verschwinden nach einem Fehler
- falsches Format wird erst nach dem Absenden ohne hilfreiche Erklärung abgelehnt
- Fehler ist auf dem Smartphone außerhalb des sichtbaren Bereichs
W3C empfiehlt bei Eingabefehlern eine verständliche textliche Beschreibung, die das betroffene Feld und die Art des Problems erkennbar macht.
W3C: Eingabefehler verständlich beschreiben
Der Nutzer sollte nach einem Fehler wissen, was er jetzt tun muss – nicht neu anfangen müssen.
9. Was passiert nach dem Absenden?
Die Optimierung endet nicht am Absende-Button.
Prüfen Sie die komplette Strecke:
- Formular wird erfolgreich übertragen.
- Nutzer erhält eine eindeutige Bestätigung.
- Anfrage erreicht das vorgesehene System oder Postfach.
- Eine verantwortliche Person kann die Anfrage sehen.
- Zuständigkeit und nächster Schritt sind geklärt.
- Bei Bedarf erfolgt eine automatische Eingangsbestätigung.
- Die Anfrage wird tatsächlich bearbeitet.
Eine schöne Bestätigungsseite hilft wenig, wenn die Anfrage intern in einem unbeobachteten Postfach landet.
Umgekehrt sollte der Kunde nicht rätseln müssen, ob das Formular funktioniert hat, obwohl die Anfrage intern korrekt angekommen ist.
Kundenanfragen schneller bearbeiten: Wo Unternehmen wertvolle Leads verlieren
10. Wie testen Unternehmen ihr Kontaktformular richtig?
Ein Formular sollte nicht nur im Backend betrachtet werden. Testen Sie den tatsächlichen Weg eines Interessenten.
Da ein Test reale E-Mails, CRM-Einträge, Benachrichtigungen oder Aufgaben erzeugen kann, sollte er intern kontrolliert durchgeführt werden.
Vor dem Test
- verantwortliche Person festlegen
- Test intern freigeben
- Testanfrage eindeutig kennzeichnen
- klären, welche Systeme und Benachrichtigungen ausgelöst werden
- festlegen, wer die Testdaten anschließend schließt oder bereinigt
Dann den echten Nutzerweg prüfen
- Seite auf einem Smartphone öffnen.
- Formular vollständig mit vereinbarten Testdaten ausfüllen.
- Bewusst ein Pflichtfeld auslassen und Fehlermeldung prüfen.
- Formular anschließend korrekt absenden.
- Bestätigung im Browser prüfen.
- Falls vorgesehen, automatische E-Mail kontrollieren.
- Intern prüfen, wo die Anfrage angekommen ist.
- Zuständigkeit und Benachrichtigung kontrollieren.
- Testeintrag anschließend eindeutig schließen oder entfernen, soweit dies im jeweiligen System vorgesehen und zulässig ist.
Damit wird nicht nur das Frontend getestet, sondern der tatsächliche Weg bis zur internen Bearbeitung.
11. Fiktives Beispiel: Zwölf Felder für eine erste Anfrage
Fiktives Beispiel: Ein B2B-Dienstleister verwendet auf seiner Website ein allgemeines Kontaktformular mit zwölf Eingabefeldern.
Pflichtangaben sind unter anderem:
- Vorname
- Nachname
- Unternehmen
- Straße
- Postleitzahl
- Ort
- Telefon
- Budget
- gewünschter Starttermin
- Leistung
- Nachricht
Bei der internen Prüfung stellt sich heraus:
Für die erste Reaktion benötigt das Team tatsächlich nur einen Ansprechpartner, eine Antwortmöglichkeit, die gewünschte Leistung und einen kurzen Kontext.
Adresse, detailliertes Budget und exakter Projektbeginn werden erst benötigt, wenn das erste Gespräch stattgefunden hat und klar ist, ob eine Zusammenarbeit grundsätzlich passt.
Die Entscheidung
Das Unternehmen entfernt deshalb nicht blind möglichst viele Felder.
Stattdessen wird jedes Feld nach seinem Zweck bewertet:
| Information | Entscheidung im Beispiel | Grund |
|---|---|---|
| Name | bleibt | persönliche Zuordnung |
| bleibt | Antwortmöglichkeit | |
| Telefon | optional | Rückruf ist nicht für jede Anfrage notwendig |
| Leistung | bleibt | hilft bei der internen Zuordnung |
| Nachricht | bleibt | liefert Kontext |
| Adresse | entfällt im Erstkontakt | wird erst später benötigt |
| Budget | entfällt im Erstkontakt | wird im ersten Gespräch geklärt |
Danach wird nicht automatisch behauptet, das neue Formular sei erfolgreicher.
Das Unternehmen muss beobachten, ob mehr verwertbare Anfragen entstehen, ob die Qualität ausreicht und ob zusätzlicher Aufwand durch fehlende Informationen entsteht.
Dieses Beispiel ist fiktiv. Die Feldanzahl und Entscheidungen sind keine allgemeine Empfehlung und stellen keine Ergebnisse eines Kubertino-Kunden dar.
12. Checkliste: Prüfen Sie Ihr Kontaktformular
- Zweck: Ist klar, welche Art von Anfrage das Formular erzeugen soll?
- Pflichtfelder: Können wir für jedes Pflichtfeld erklären, warum wir es jetzt benötigen?
- Optionale Felder: Müssen zusätzliche hilfreiche Angaben wirklich verpflichtend sein?
- Kontaktweg: Brauchen wir E-Mail, Telefon oder tatsächlich beides?
- Qualifizierung: Welche wenigen Informationen helfen bei der richtigen Zuordnung?
- Beschriftung: Versteht der Nutzer eindeutig, was in jedes Feld gehört?
- Mobil: Funktioniert die vollständige Eingabe auf einem Smartphone?
- Fehler: Wird verständlich erklärt, was korrigiert werden muss?
- Bestätigung: Erkennt der Nutzer eindeutig, dass die Anfrage übermittelt wurde?
- Eingang: Kommt die Anfrage zuverlässig im vorgesehenen System an?
- Zuständigkeit: Ist klar, wer sie anschließend bearbeitet?
- Messung: Können wir unterscheiden, ob das Problem beim Formular oder erst bei der späteren Bearbeitung entsteht?
Das beste Formular fragt nicht möglichst wenig, sondern das Richtige
Die pauschale Empfehlung „Je weniger Felder, desto besser“ greift zu kurz.
Ein Unternehmen braucht genügend Informationen, um eine Anfrage sinnvoll bearbeiten zu können.
Der Interessent sollte dafür aber nicht bereits beim ersten Kontakt Daten liefern müssen, die erst später benötigt werden.
Deshalb ist die wichtigste Prüfung für jedes Feld:
Brauchen wir diese Information wirklich jetzt – und was tun wir unmittelbar danach damit?
Wenn diese Frage für das gesamte Formular beantwortet ist, können Unternehmen gezielt an Pflichtfeldern, Bedienung, Fehlermeldungen und dem internen Anfrageprozess arbeiten.
Häufige Fragen zur Optimierung von Kontaktformularen
Wie viele Felder sollte ein Kontaktformular haben?
Es gibt keine allgemeingültige ideale Anzahl. Das Formular sollte die Informationen abfragen, die für den konkreten nächsten Schritt notwendig sind. Entscheidend ist nicht eine bestimmte Feldzahl, sondern ob jedes Pflichtfeld einen nachvollziehbaren Zweck hat.
Sollte die Telefonnummer ein Pflichtfeld sein?
Nur wenn sie für den vorgesehenen Prozess tatsächlich benötigt wird. Bei einem Rückrufformular ist sie logisch. Bei einer allgemeinen schriftlichen Anfrage kann geprüft werden, ob die Telefonnummer optional bleiben kann.
Sollte ein Kontaktformular nach dem Budget fragen?
Das kann sinnvoll sein, wenn das Budget bereits beim ersten Schritt für die Qualifizierung benötigt wird und der Interessent eine realistische Angabe machen kann. Bei erklärungsbedürftigen Leistungen kann die Frage zu früh kommen. Entscheidend ist, ob die Antwort tatsächlich die nächste Handlung des Unternehmens verändert.
Reicht Placeholder-Text statt einer Feldbeschriftung?
Ein Placeholder sollte eine verständliche Feldbeschriftung nicht einfach ersetzen. Sichtbare und technisch korrekt zugeordnete Labels helfen Nutzern, den Zweck eines Feldes zu verstehen und unterstützen auch die barrierearme Bedienung.
Was sollte nach dem Absenden des Formulars passieren?
Der Nutzer sollte eine eindeutige Bestätigung erhalten. Gleichzeitig muss die Anfrage intern zuverlässig ankommen, einer zuständigen Stelle zugänglich sein und in den vorgesehenen Bearbeitungsprozess gelangen. Eine erfolgreiche Frontend-Bestätigung allein beweist noch nicht, dass der interne Prozess funktioniert.
Wie lässt sich prüfen, ob ein kürzeres Formular besser funktioniert?
Änderungen sollten nicht allein nach der Zahl abgesendeter Formulare bewertet werden. Prüfen Sie zusätzlich die Qualität der Anfragen, notwendige Rückfragen und den späteren Geschäftsverlauf. Nur so lässt sich erkennen, ob weniger Felder den Prozess tatsächlich verbessern oder lediglich Informationen in einen späteren Schritt verschieben.
Muss ein Kontaktformular barrierefrei sein?
Welche gesetzlichen Anforderungen für ein konkretes Unternehmen und Angebot gelten, muss separat geprüft werden. Unabhängig davon sind verständliche Labels, Tastaturbedienbarkeit, erkennbare Pflichtfelder und hilfreiche Fehlermeldungen sinnvolle Qualitätsmerkmale für Formulare. Technische Barrierefreiheit sollte nicht allein anhand der visuellen Darstellung beurteilt werden.

